Stromversorgung Unterwegs | Erhöhte Spannung

Strom im Hosentaschen-Format: Der »Guide 10 plus« von Goal Zero hat sich unterwegs ziemlich schnell bewährt.


Stromknappheit auf Reisen ist bisher nie ein Thema für mich gewesen – und das, obwohl ich immer mit Kamera-Geraffel, GPS, Smartphone und Tablet unterwegs bin. Denn gewöhnlich hatte ich immer ein stromspendendes Fahrzeug im Zugriff. Mit Spannungswandler und 12-Volt-Buchse wird ein Motorrad ganz schnell zum fahrenden Generator. Vom Auto ganz zu schweigen.

Nicht so das Fahrrad. Zwar gibt es die Möglichkeit einen Nabendynamo zu verbauen, allerdings hat diese mutmaßlich ideale Lösung so ihre Tücken. Um USB-äquivalenten Strom zu erzeugen, müsste ich mindestens 20km/h fahren, sonst reicht die Spannung noch nicht einmal zum befeuern eines iPhones aus. Abgesehen davon müsste ein neues Laufrad her und die ganze Chose will dann auch noch verkabelt werden. Auf der Habenseite steht dafür eine stete Beleuchtung. Long Story short: Wir wollen mit Mountainbikes fahren und die Genese zum Reisedampfer nicht zu weit treiben. Also keine Nabendynamos!

Bevor es an die Recherche denkbarer Alternativen geht, steht die Frage im Raum, ob überhaupt eine Stromquelle mit an Bord sein muss. Oberste Priorität liegt auf den Kameras. Doch mit je drei Akkus für jedes Gehäuse scheint die Sorge um die visuelle Dokumentation fast übertrieben. Mit den drei vorhandenen Sätzen Eneloop-Akkus* für den Blitz kann ich bei Bedarf die Nacht zum Tag machen – und geblitzt wird ohnehin eher selten. Soweit also kein Versorgungsproblem.

GPS? Joa, kann im Zweifel auch mit Doppel-A-Batterien von der Tanke versorgt werden. Außerdem passen auch die dem Blitz zugedachten Akkus. iPad, Kindle, iPhones, die Garmin Virb ActionCam*? Alles Gimmicks, die ohnehin ziemlich lange durchhalten, wenn man von exzessiver Nutzung mal absieht.

Das kleine Ladegerät dient als Stromspeicher und ist dank USB-Anschlüssen und kleiner LED-Lampe ein reines Multitool.


Strom ist also völlig überbewertet... Not! Ziemlich schnell stellen wir fest, dass der Strombedarf erstaunlich hoch ist. (Nur so am Rande: Das sollte nicht der einzige Anfängerfehler bleiben, den wir in den ersten Wochen machten.) Unser GPS-Gerät stammt fast aus dem vorherigen Jahrhundert und wartet mit dem Bedienkomfort einer 80er-Jahre Casio-Digitaluhr auf, weshalb unsere iPhones mehr und mehr den Navigations-Profi vergangener Tage ersetzten und ihn schlussendlich gänzlich verdrängten. Musik? Yay! Macht lange Etappen sehr erträglich. Bücher, Zeitungen, Magazine? Auf jeden Fall, wiegt ja digital nix. Strom? Oh ja, bitte viel davon! Womit wir zum Thema kommen…

Als hätten wir es gewusst, legen wir uns vor der Abreise ein sehr handliches und erstaunlich effizientes Solar Panel zu. Das Goal Zero »Nomad 13« erscheint mir für ein Experiment zu teuer, weshalb die Wahl auf den »AP 150 SolarBooster« von Xtorm* fällt. Satte zwölf Watt für knapp 90 Euro, zwei USB-Ausgänge und das Ganze tipptopp verarbeitet, mit grobem, vertrauenserweckendem Cordura-Zeugs überzogen. Um den eingefangenen Strom zu speichern, ergänze ich das Panel um ein Goal Zero »Guide 10 Plus«-Ladegerät*. Letzteres kann mit beliebigen Doppel- und Triple-A-Akkus (zum Beispiel den besagten Blitz- und GPS-Eneloops) bestückt und via Mini-USB geladen werden. Wird der Schalter umgelegt, gibt das kompakte Kästchen Strom an eingepinnte USB-Geräte ab. Soweit die Theorie.


Strom ist also völlig überbewertet... Not!


Ich habe meine Vorbehalte und pinökle an einem nahezu sonnigen Tag im Kölner Grüngürtel skeptisch die Gerätschaften zusammen. Ein feiner Schleier bedeckt den Himmel und vereitelt somit ideale Testbedingungen. Erstaunlicherweise laden dem zum Trotz sowohl das Guide-Ladegerät als auch zwei iPhones (jeweils nacheinander) ohne zu murren. Nur mit dem iPad läuft es nicht ganz so rund. Bei direkter Sonneneinstrahlung funktioniert aber auch das. Gegen Abend haben wir tatsächlich beide Telefone geladen und noch etwas Energie in die Akkus gespeist. Für umme. Einfach so von der Sonne geladen. Praxistest bestanden!

Auf Vancouver Island verfeinern wir die Konstruktion mit Hilfe des Kamerastativs. So können wir das Solarpanel mit ein paar Handgriffen optimal Richtung Sonne ausrichten. Und da uns in den folgenden sechs Monaten fast ausschließlich die Sonne entgegen lacht, ist stromtechnisch immer ausgesorgt. Selbst auf der Gepäckrolle verzurrt können wir mit dem »SolarBooster« täglich ein paar Watt während der Fahrt einfangen. Die ganze Sache verblüfft mich immer wieder aufs neue. Also wenn man das mal weiterdenkt...


Mit einem Stativ kann das xtorm Solar-Panel tipptopp ausgerichtet werden.


Ausklammern müssen wir – aber das war von Anfang an klar – Gretas Laptop und die Kamera-Akkus, da beide nicht via USB geladen werden können. Die Rechnung mit den drei Akkus pro Gehäuse geht aber problemlos auf und der Computer kommt ohnehin nur sporadisch zum Einsatz. Für die nächste Tour wird es trotzdem ein größeres Panel, dann lädt auch das iPad ohne Probleme. xtorm hat leider nichts fetteres im Programm, aber bei Goal Zero wird man fündig. Bis zu 20 Watt bringt das »Nomad 20«-Faltpanel*. Zudem haben die Goal Zero-Module den Vorteil, dass man sie in Reihe schalten kann – so fällt die Stromernte noch üppiger aus.

Vom Gimmick zum Must Have. Auf dass die Sonne immer scheint.


/Al

Das xtorm Solar-Panel AP150 ist ein ziemlicher Preis/Leistungs-Kracher & wird auch künftig mit auf Tour gehen.


xtorm »AP 150 SolarBooster« *

+             funktioniert auch nach sechs Monaten Dauereinsatz tadellos

+             Verhältnismäßig günstig und somit tipptopp in Sachen Preis/Leistung

+             Gute Verarbeitung

+             Sehr kompakt bei hoher Effizienz

-              lässt sich nicht mit anderen Panelen in Reihe schalten

-              xtorm bietet kein leistungsfähigeres Panel an

 

Goal Zero »Guide 10 plus« *

+             kompakt und robust

+             funktioniert tadellos mit allen angeschlossenen Geräten

+             kann sowohl via Steckdose als auch mit Solarenegie geladen werden

+             sehr variabel durch austauschbare Akkus und einen zusätzlichen Einsatz für Triple-A-Akkus

+             sehr gut verarbeitet

+             kann mittels eingebauter LED auch als Taschenlampe genutzt werden



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Kommentare: 3
  • #1

    Maria M. (Donnerstag, 26 Februar 2015 21:55)

    Bei technischen Erörterungen schalte ich ja gerne schnell ab. Mir wurde aber doch die bedeutende Rolle einer zuverlässigen Stromversorgung bei einer Tour wie Eurer klar. Gratuliere zur klugen Vorbereitung!

  • #2

    Stromversorgung (Donnerstag, 07 Mai 2015 16:50)

    In der heutigen Welt, wo sich alles um Kommunikationen dreht, dann muss man unbedingt daran denken, eine verlässliche Stromversorgung für unterwegs zu haben. Wenn das Telefon ausgeht und man es trotzdem weiter braucht, dass kommt die mobile Stromversorgung zur Hilfe. Und es ist gut so!

  • #3

    Hängezelt Zubehör (Mittwoch, 19 August 2015 16:03)

    Gut wenn man sich vorher Gedanken über die Stromversorgung gemacht hat. Bin des öfteren mit meinem Baumzelt unterwegs und auch da kann ich nur schlecht komplett auf Strom verzichten. Die Solarlösung finde ich wirklich klasse.

    LG Roger

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Alan und Greta schreiben für den Blog Backcountry Diaries über das Leben Outdoor, die Radreise in Kanada und USA und Campingausrüstung.

Backcountry Diaries erzählt Geschichten von Abenteuern mit dem Mountainbike – auf kleinen Ausflügen, langen und kurzen Reisen, mit viel oder wenig Gepäck, auf Trails in der Eifel oder Highways in Kalifornien. Wir sind Alan und Greta, wohnen in Köln und teilen uns unsere Wohnung mit vier Montainbikes – zumindest wenn wir nicht gerade unsere vier Wände gegen ein Zelte eingetauscht haben.

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