Yosemite | Chaotischer Auftakt

Diese Aussicht wäre uns beinah entgangen. 


Yosemite bringt mich in ein ernsthaftes Einstiegsdilemma. Soll der Erstkontakt mit den mächtigen Granitblöcken am Anfang stehen? Der fette Blick am Tunnel View mit dem legendären El Capitan zur Linken, vorbei am Cathedral Peak über den Merced River hinweg bis zum Half Dome? Oder unsere eisigen Camp-Nächte auf fast 3000 Metern inmitten eines kleinen Zeltdorfs? Die Rufe der Seilschaften an der Nose und den angrenzenden Kletterrouten? Die tapferen Jungs und Mädels, die noch im Dunkeln weiter klettern und die 1000 Meter lange, senkrechte Granitwand mit ihren Stirnlampen zur Projektionsfläche für ihre Mehrtagestouren in der Vertikalen machen?

Oder doch der Problembär, der mich in der letzten Nacht um den Schlaf brachte?

Vielleicht sollte ich aber mit dem Waldbrand am Highway 140 anfangen, der uns fast unseren Trip ins Valley gekostet hätte...


Der Plan B wird schon stehen, wenn er gebraucht wird.


Der Zug von San Francisco ist schon gebucht, die Trekking-Rucksäcke in der lokalen REI-Filiale reserviert und einen sicherer Platz für unsere Fahrräder und Teile des Gepäcks klar gemacht, als uns die Nachricht von Amtrak erreicht. Wegen eines Waldbrands ist eine der Zufahrtsstraßen zum Yosemite Nationalpark auf unbestimmte Zeit gesperrt und folglich unsere Buchung in Teilen storniert. Morgen in der Früh soll es los gehen. Wat ne Scheiße! Zu allem Überfluss stürzt am Nachmittag ein Löschflugzeug im Brandgebiet ab. Die Lage scheint sich eher zuzuspitzen. Wir wollen es trotzdem nicht unversucht lassen, schließlich führt eine andere Straße von Norden her ins Valley. Vielleicht kommen wir bis Merced und trampen von dort weiter. Der Plan B wird schon stehen, wenn er gebraucht wird.

Am Abend holen wir die Rucksäcke ab, decken uns mit Vorräten und Gas ein und bringen die Velos weg.

Der Wecker klingelt. Abreisetag. Ein banger Blick ins Internetz. Der Wald brennt immer noch, die 140 ist weiterhin gesperrt. Fuck.

Der Rucksack drückt auf dem Weg zur Bahn. Lang nimmer mit Gepäck aufm Rücken unterwegs gewesen. Zwei Stunden vor Zugabfahrt fällt die Entscheidung im Starbucks am Pier 1. Wir canceln die Tickets und mieten drüben in Oakland am Flughafen ein Auto. 5 Minuten später haben wir eine Bestätigung im Postfach, weitere 2 Minuten später sind wir auf dem Weg zur U-Bahn. Ein Roadtrip nimmt seinen Lauf.

 

/Al

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Maria M. (Freitag, 20 Februar 2015 17:04)

    Hoffentlich lässt die Fortsetzung nicht lange auf sich warten. Die Spannung in mir ist gut aufgebaut worden. Was könnt Ihr nicht alles bieten! Wir sahen nur ein paar alte Waldbrandstummel. Und Kletterernachtleben im Yosemitep. sowieso nicht.

about

Alan und Greta schreiben für den Blog Backcountry Diaries über das Leben Outdoor, die Radreise in Kanada und USA und Campingausrüstung.

Backcountry Diaries erzählt Geschichten von Abenteuern mit dem Mountainbike – auf kleinen Ausflügen, langen und kurzen Reisen, mit viel oder wenig Gepäck, auf Trails in der Eifel oder Highways in Kalifornien. Wir sind Alan und Greta, wohnen in Köln und teilen uns unsere Wohnung mit vier Montainbikes – zumindest wenn wir nicht gerade unsere vier Wände gegen ein Zelte eingetauscht haben.

Artikel

backcountry diaries

Backcountry Diaries erzählt Geschichten von Abenteuern mit dem Mountainbike – auf kleinen Ausflügen, langen und kurzen Reisen, mit viel oder wenig Gepäck, auf Trails in der Eifel oder Highways in Kalifornien. Wir sind Alan und Greta, wohnen in Köln und teilen uns unsere Wohnung mit vier Montainbikes – zumindest wenn wir nicht gerade unsere vier Wände gegen ein Zelte eingetauscht haben.


home is where your...

Random