Kanada: Ein Fazit in 26 Buchstaben

Goodbye und au revoir Canada! Schön war's bei dir!

A wie Ankunft: Die Passkontrolle am Flughafen Vancouver überrascht durch Ungezwungenheit. Keine Fingerabdrücke oder Augenscans, wie man es aus dem Nachbarland kennt. Stattdessen ein scherzender Beamter, der seine spärlichen Deutschkenntnisse zum Besten gibt.

B wie Brot: In Kanada vor allem in sehr softer, sehr weißer Ausführung zu bekommen. In manchen Läden auch in sehr softer, nicht ganz so weißer Form mit dem Namen „German Style Bread“ zu haben. Es macht seinem Namen jedoch definitiv keine Ehre. Echtes, knuspriges deutsches Brot rangiert infolgedessen auf der Rangliste unbefriedigter Begehrlichkeiten auf Platz eins. Abhilfe schafft die Wild Fire Bakery in Victoria. Mmmh!

C wie Canada: Der Name Canada ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Wort kanata abgeleitet, das in der Sprache der Sankt-Lorenz-Irokesen „Dorf“ oder besser „Siedlung“ bedeutet. Sagt zumindest Wikipedia. Wir glauben das mal.

D wie Dosenfutter: Hilfreiche Form der Haltbarmachung von Lebensmitteln, wenn man ohne Kühlschrank reist. Erkenntnis: Spaghetti Bolognese mit Corned Beef statt Hackfleisch schmeckt wie Fertigbolognesesauce aus dem Glas. Sind wir einem weiteren Trick der Lebensmittelindustrie auf die Schliche gekommen?

Corned Beef statt Hackfleisch: Kompromisse, die man ohne Kühlschrank eingehen muss. Und schmeckt nicht mal so übel wie es aussieht.

E wie Elch: Gibt es auf Vancouver Island. Sagt man. Wurden von uns jedoch nur als Touristenplüschattraktion in Victoria gesichtet.


Kein Elch in Sicht, auch wenn anderes behauptet wird.

F wie Fitness: Zweck, zu dem Kanadier Fahrräder besitzen und benutzen. Folglich sieht man auf kanadischen Straßen Fahrräder meist nur auf Bikeracks montiert an der Rückseite von Campern oder auf Ladeflächen von Pick-ups. Kurioseste Ausprägung: Ein Hometrainer neben dem Zelt – so gesehen auf dem Campground des Little Qualicum Falls Provincial Parks.

G wie Granny: „They drive like a Granny.“ – Beschreibung des kanadischen Fahrstils durch unsere AirBnB-Gastgeberin in Vancouver. Treffender ließe es sich kaum formulieren.

H wie Humor: In Kanada vorhanden, manchmal in etwas schrulliger Form. Kostprobe: „Do you know why a bicycle cannot stand up by its own?” “Eeeh, no…?” “Because it’s too [two] tired [tyred].” #achtungwortwitz

I wie Internet: Seltenes, sehr begehrtes Zivilisationsgut. An der Westcoast von Vancouver Island nur in 56k-Modemqualität zu bekommen.

J wie Juan de Fuca Strait: Trennt Kanada von den USA. Wurde von uns mit der Fähre überquert.

Unterwegs auf der Juan de Fuca Strait: Am Horizont warten die USA auf uns.

K wie Koodo: Name unseres kanadischen Mobilfunkanbieters. Leider waren wir nicht in der Lage, das unglaublich seltsame Mobilfunk- und Telefonnummernsystem in Kanada zu durchschauen. Folglich konnten wir nicht wirklich etwas mit unserer SIM-Karte anfangen. Telefonate waren in unserem Prepaid-Tarif nicht vorgesehen, und trotz Eingabe eines mysteriösen Calling Codes vor der Landesvorwahl ist es uns nicht gelungen, SMS nach Deutschland abzusetzen. Fazit: zu kompliziert. Und irgendwie ziemlich nutzlos.

L wie Lebensstil: Unserer: nomadisch: Der kanadische: sehr amerikanisch. Unterm Strich: Zwei Welten.

M wie Mall: Shopping in Kanada findet häufig in den unendlichen Weiten künstlicher Retortenstädte, genannt „Mall“ statt. Bei geneigten Zuschauern der US-Sitcom „How I met you mother“ schleicht sich beim Anblick eines solchen Gebildes unweigerlich einen Ohrwurm ein. Let’s go to the mall!

Achtung, Ohrwurmgefahr! Dennoch eine sehr passende Hymne für die kanadisch-amerikanischen Einkaufsgewohnheiten.

N wie Nunavut: Das jüngste aller kanadischer Territorien besteht in seiner heutigen Form erst seit 1999 und räumt den dort ansässigen Inuit besondere Rechte ein. Ein Name bzw. Landstrich, von dem wir vor der Tour noch nichts wussten.

O wie Ozean, pazifischer: Ist sehr kalt. Aber auch schön. Und häufig von Nebelbänken bedeckt.

P wie Pick-up: Was in Deutschland der VW Golf ist, ist hier der Pick-up. Entsprechend ist der kanadische Alltag auf Pick-up-Kapazitäten ausgelegt. Das stellt Radreisende vor neue Herausforderungen: Der Transport von 1,5l-Fässern Mayonnaise oder 750ml-Duschgelflaschen ist für einen Pick-up kein Problem - wohl aber für den überladenen Reiseradler.

Pick-up taugliche Verpackungsgrößen: 1,5 Liter Mayo - eher die Regel als die Ausnahme in kanadischen Supermärkten. Nichts für unseren Proviantbeutel!

Q wie Queen: Ankunft am Flughafen Vancouver. Zum ersten Mal in Kanada. Jetzt erstmal Bargeld ziehen. Der ATM rattert und spuckt ein paar Scheine aus. Ich nehme sie aus der Luke und sehe: Die Queen. Mit ihr hatte ich hier nicht gerechnet. Aber der Commonwealth ist überall!

R wie Regierungschef: Die Begegnung mit der Queen auf den kanadischen Dollarscheinen wirft weitere Fragen auf. Wir stellen fest, wir wissen nicht viel über dieses Land. Wer ist eigentlich der Chef von Kanada (von der Queen mal abgesehen)? Tine, unsere Gastgeberin in Victoria, klärt uns auf: Der seit 2006 amtierende Premierminister heißt Stephen Harper und war ziemlich tight mit George W. Bush.

S wie stop sign: 4-way-stops sind an kanadischen Kreuzungen die bevorzugte Verkehrsregulierung. Bedeutet: Im Zweifel bleiben alle erst einmal stehen und warten, was die anderen so machen. Eine zeitraubende Angelegenheit. Siehe G wie Granny.

T wie Transparenz: Kanadische Geldscheine sind aus Plastik - oder um genauer zu sein: aus Polymer - und enthalten einen fancy transparenten Streifen. Außerdem sind sie sehr praktisch. Die Bank of Canada gibt ein paar Tipps zum Handling der neuen Gelscheine: „Wischen Sie verschmutzte Noten mit einem feuchten Tuch ab.“ Oder aber: „Trocken Sie nasse Noten mit einem Handtuch ab.“

U wie unendliche Weiten: Tatsache, für die Kanada bekannt ist. Fühlt sich auf dem Fahrrad noch unendlicher an. Und das, obwohl wir nur Vancouver Island und nicht ganz Kanada durchquert haben.

Wohin man blickt, nirgendwo eine Spur von Zivilisation. Unendliche Weiten gibt es in Kanada zweifellos.

V wie Vancouver vs. Victoria: Große Erwartungen unsererseits an V1 (Vancouver), keinerlei Erwartungen an V2 (Victoria). V2: echt nice! V1: Schon gut, aber muss nicht unbedingt.

W wie Wildlife: Gab es en masse. Bären, Rehe, Wale, Hasen, Spechte, sonstige komische Vögel, Squirrels, Schlangen, Ameisen. Und Mosquitos.

Ein harmloser Vertreter der Tierwelt: Ein Specht, der den Baum eines Campgrounds mit uns und unseren Hängematten teilte.

X wie X-Men: Das Hatley Caste, welches manch einer vielleicht aus den X-Men-Filmen kennt, steht in der Nähe von Victoria und wurde uns von unserer Gastgeberin Tine gezeigt. Gefolgt von einem X-Men-Filmabend. Unser erster und einziger Fernseh-Chips-Bier-Sofa-Abend in Kanada.

Y wie Yukon: Auch ein Teil von Kanada. Da waren wir nicht.

Z wie Zelt: Unser Homesweethome. Das Beste wo gibt. Vier von sechs Wochen in Kanada haben wir darin gehaust und fanden es sehr gemütlich. Das kleine blonde kanadische Mädchen mit dem pinken Glitzerfahrrad auf dem Campground hingegen fand es äußerst weird. Unvorstellbar, dass wir zu zweit in diesem winzigen Zelt hausen. Ihre Welt bemisst sich wohl auch in Pick-up-Kapazitäten.

So idyllisch kann es sein, das Leben im Zelt.

/Gr

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Kommentare: 8
  • #1

    Martin Böhm (Freitag, 29 August 2014 09:57)

    Klasse "Lagebericht" mit hohem Kreativanteil - das Lesen hat Spaß gemacht :-)

  • #2

    Joris (Freitag, 29 August 2014 10:38)

    Hallo ihr zwei! Es scheint euch gut zu gehen deshalb brauche ich nicht zu fragen. Ich habe auch nur eine kleine bitte. Hört nicht auf zu fahren und zu schreiben. Es macht mir immer wieder Spaß eure Geschichten zu lesen. Tolle Ideen die ihr da habt. Also bitte weiterfahren. Die Welt ist groß und ich liebe gute Geschichten.
    Liebe Grüße aus Köln
    Joris

  • #3

    Luise (Freitag, 29 August 2014 18:00)

    Da kann ich Joris nur zu stimmen, es macht riesen Spaß eure Geschichten zu lesen und die Bilder zu bestaunen. Das aufkommende Fernweh ist (noch) zu ertragen

  • #4

    Maria M. (Freitag, 29 August 2014 21:47)

    Euer Bilder- und Textmosaik hat inzwischen meine Vorstellung von der kanad. Westküste geformt. Eure aufmerksamen Sinne schenken uns Daheimverwurzelten immer wieder Überraschungen. Danke!!!

  • #5

    Waldkirch (Sonntag, 31 August 2014 19:13)

    Ha, das Geld ist neu!
    Ansonsten schließe ich mich Jorissens Bitte an ;-)
    VG
    M

  • #6

    backcountrydiaries (Montag, 01 September 2014)

    Jetzt werden wir aber langsam etwas verlegen... Danke für die vielen sehr netten Kommentare! Und ja, wir fahren natürlich weiter! Sind ja noch mindestens 2.500 km. :-)

  • #7

    Daniel (Dienstag, 02 September 2014 09:52)

    Bei Robin Sparkle hat es echt einen Moment gedauert... Robin wär? ... HIMYM

  • #8

    Andreas (Freitag, 05 September 2014 23:07)

    Hallo Greta und Alan,
    tolle Bilder und kurzweilige Texte, die Ihr uns da jedes Mal schenkt. Es ist schön auf diese Weise an den vielen Erlebnissen Eurer Tour ausschnittweise teilhaben zu können. Ich drücke Euch die Daumen, dass Euer Equipment weiterhin hält und Ihr uns regelmäßig mit Fernweh-Nahrung versorgt ;-)
    Alles Gute aus Bonn & immer ausreichend bar auf den Reifen!
    Andreas und Familie

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Alan und Greta schreiben für den Blog Backcountry Diaries über das Leben Outdoor, die Radreise in Kanada und USA und Campingausrüstung.

Backcountry Diaries erzählt Geschichten von Abenteuern mit dem Mountainbike – auf kleinen Ausflügen, langen und kurzen Reisen, mit viel oder wenig Gepäck, auf Trails in der Eifel oder Highways in Kalifornien. Wir sind Alan und Greta, wohnen in Köln und teilen uns unsere Wohnung mit vier Montainbikes – zumindest wenn wir nicht gerade unsere vier Wände gegen ein Zelte eingetauscht haben.

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