Provozierte Pannen

Pannen einer Radreise: Mit dem richtigen Werkzeug im Gepäck kein Problem.

Säge und Zange vs. Ritzel und Plastik-Pinökel.

Es knarzt. Es knackt. Soweit nichts Neues bei meiner Schaltung. Das Problem hat sich bereits auf der Tour de Luxembourg angekündigt. Ausgerechnet in den Berggängen, wenn es richtig steil wird, fängt meine Schaltung an, ihren Dienst zu quittieren. Das oberste Ritzel lässt sich nicht mehr ansteuern, andernfalls klemmt sich die Kette zwischen Speichen und Kassette. Der Berg muss also mit mehr Widerstand als nötig bezwungen werden. Auch bei gefühlt 30 Grad im Schatten unter der überraschend erbarmungslosen Sonne von Vancouver. Vor der Abreise noch erfolgreich verdrängt, bringt mich das vermeintlich kleine Schaltungsproblem jetzt zusätzlich zur Hitze und Steigung auf 180. Ich fluche, meist lautlos, vor mich hin und ärgere mich über unsere Entscheidung, die Räder nicht nochmal vor Abflug zu checken. Jetzt rächt es sich, am ersten richtigen Fahrtag mit Gepäck. Hm, und der Luftdruck im Hinterrad könnte eigentlich auch circa doppelt so hoch sein.

Das Fahrrad steht Kopf: Reparaturstop auf dem Campingplatz.

Einen besseren Platz kann man wohl kaum für ein kurzes Reparatur-Intermezzo finden.

Immerhin ist unser Zwischenziel, die Horseshoe Bay, von wo unsere Fährt nach Vancouver Island abgeht, fast erreicht – nur noch ein paar kleine Steigungen. Ich schalte runter. Es knarzt. Es knackt. Es quietscht und schleift und nichts geht mehr. Die Kette klemmt, der Freilauf hakt. Die Plastikscheibe hinter dem Ritzelpaket wurde von der Kette unsanft zur Seite geschubst und hat sich gelöst. Jetzt klemmt sie zwischen Speichen und Kassette und blockiert den Freilauf. Wir debattieren, ob es klüger sei zu versuchen, die Plastikscheibe mit roher Gewalt zu zerstören und das Problem zu beheben, oder ein paar Kilometer unfreiwillig mit einem Fixie zurückzulegen. Ich plädiere fürs Fixie, um nicht noch mehr kaputt zu machen. Und so rolle ich, beide Beine zur Seite gestreckt, den Berg hinunter in die Horseshoe Bay, während unter mir die Pedale in Höchstgeschwindigkeit kreisen.

Die Panne ist fast behoben, die Radreise kann weitergehen.

Noch bissl Feintuning...

Überreste einer Reparatur. Das Fahrrad rollt wieder.

...und schon ist das Problem dezent behoben.

Am nächsten Tag, auf dem Campingplatz in Nanaimo auf Vancouver Island, geht das Konzept „rohe Gewalt“ auf: Die Plastikscheibe ist Geschichte, der Freilauf gerettet. Sehr viel mehr Feingefühl und Geduld ist anschließend beim Justieren der Schaltung gefragt. Doch am Ende des Tages ist die erste Panne behoben und wir um ein paar Schrauber-Skills reicher. Und nebenbei wurde Deutschland Fußball-Weltmeister.

/Gr

Der Fahrradhandschuh freut sich mit! Das Leben outdoor bringt Freud und Leid.

Geschafft! Das Rad rollt. Yeah!

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Kommentare: 6
  • #1

    Henning (Dienstag, 15 Juli 2014 06:05)

    Fängt ja schon gut an, Hoffe mal es bleibt be so kleineren Pannen

  • #2

    M. Macht (Dienstag, 15 Juli 2014 17:42)

    Also nicht nur gute Kondition ist wichtig, sondern auch technisches Geschick und Wissen! Gratuliere zu Letzterem.

  • #3

    Marc (Mittwoch, 16 Juli 2014 12:06)

    Soll ich Euch eine Rohloff Nabe zuschicken : )

  • #4

    Harri (Donnerstag, 17 Juli 2014 15:46)

    Aller Anfang ist schwer, wär doch schade, wenn es zu einfach liefe - ihr packt das! So ist eine netter Eintrag fürs Blog bei herumgekommen ...

    Alan hat ja genug Erfahrung im Flicken bzw. Werkzeuggebrauch und die nötigen Fachkenntnisse :-)

    Gute Reise Euch Beiden und freue mich auf mehr Berichte ;-)

  • #5

    backcountrydiaries (Freitag, 18 Juli 2014 00:47)

    Wow, mit so viel Rückmeldung ham wir nicht gerechnet. Sehr schön!
    Ja, hat alles gut funktioniert & so ganz ungeschickt sind wir tatsächlich nicht ;)
    Marc, die Rohloff würden wir schon nehmen. 2x bitte :D

  • #6

    Andreas (Dienstag, 22 Juli 2014 23:04)

    Hey Greta, hey Alan,
    Daumen hoch für Euren Start, wenn es auch etwas holprig beginnt, Ihr schafft das schon, die Guzzi fuhr ja auch nicht sofort;) Wir sind in den letzten Vorbereitungen für unseren Italien-Urlaub - nur noch neun mal Schlafen würde Jana sagen. Sie hat leider einen Hüftschnupfen, ein virusbedingter Erguss im Hüftgelenk und das drei Tage vor ihrem letzten KiTa-Tag! Sie wird aber sicher bis zu unserer Abreise wieder gesund werden. Ich denke viel an Euch, wünsche Euch TipTop-Erlebnisse und freue mich bald wieder von Euch zu lesen. Alles Gute übern Teich und eine stets pannenfreie Fahrt, wünsche ich meinen Abenteurern.
    Andreas

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Alan und Greta schreiben für den Blog Backcountry Diaries über das Leben Outdoor, die Radreise in Kanada und USA und Campingausrüstung.

Backcountry Diaries erzählt Geschichten von Abenteuern mit dem Mountainbike – auf kleinen Ausflügen, langen und kurzen Reisen, mit viel oder wenig Gepäck, auf Trails in der Eifel oder Highways in Kalifornien. Wir sind Alan und Greta, wohnen in Köln und teilen uns unsere Wohnung mit vier Montainbikes – zumindest wenn wir nicht gerade unsere vier Wände gegen ein Zelte eingetauscht haben.

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